Die Presse über Gold

 

Tagesspiegel

"Nur das Beste für die lieben Kleinen: Die schönen und sorgfältigen Inszenierungen „Hans im Glück“ an der Staatsoper und „Gold“ an der Deutschen Oper."

"Unterdessen bedient die Inszenierung von Annechien Koerselman andere Hebel; sie spricht das junge Publikum über das erprobte „Mitmachen“ und eine kindgerecht erzählte Geschichte an. Vor allem aber lebt die Produktion von der strahlend schlauen Sopranistin Christina Sidak, die sich, begleitet von Lukas Böhm am Schlagzeug, durch mehrere Rollen der Geschichte spielt und singt: Ein pudelbemützter Junge namens Jakob erfüllt seinen Eltern, vor allem der biestigen Mutter, alle Wünsche, bis er im Rausch von Weltraumfahrten und Thailand-Urlauben vom Meer verschluckt wird und verloren geht. Zum guten Ende sind die abermals verarmten Eltern froh, ihn wieder in die Arme schließen zu können. Es ist ein liebenswertes Stück.. Tagesspiegel, Christiane Tewinkel, 07.12.2014

 

Berliner Morgenpost

In der Tischlerei der Deutschen Oper dient "Der Fischer und seine Frau" dem Komponisten Leonard Evers und der Regisseurin Annechien Koerselman als Vorlage für ein kleines, kostbares Stück Musiktheater. Besetzt mit Mezzosopran und Schlagwerk, entführt es in die Welt der Fantasie.

Christina Sidak ist Jacob, der mit seinen Eltern am Meer lebt, in einer Sandkuhle unterm Baum schläft und zufrieden ist, weil Mama und Papa stets in seiner Nähe sind. Eines Tages angelt er einen Fisch, der verspricht, ihm seine Wünsche zu erfüllen, wenn er ihn leben lässt. Jacob fällt nichts ein, er wirft den Fisch also zurück ins Meer. Doch in der Nacht, als Jacob friert im Freien, kommt ihm der Gedanke: Schuhe hätte er sich wünschen sollen. Am Morgen rennt er los, und erstmals spürt er die spitzen Muscheln auf dem Weg zum Meer – ein Bedürfnis ist geweckt. Schlagwerker Lukas Böhm tritt mit seinen Gummistiefeln in ein Kiesbett und begleitet Jacobs Lauf zum Meer mit einem rhythmischen Motiv auf der Snare Drum, das, in variierter Wiederholung, für diesen Weg immer wieder auftauchen wird. Am Strand ruft Jacob dem Fisch seinen Wunsch zu, und schon trägt er Schuhe.

Wunderbar und fatal, denn als die Eltern vom "Zauberunikum" im Meer erfahren, tragen sie Jacob eins nach dem anderen auf: Schuhe, ein Bett, ein Häuschen, nein, doch ein Schloss, Bedienstete, eine Reise zum Mond! All das gewährt der Fisch, aus Koffern quillt immer mehr Kram, Kuscheltiere und Spielecomputer. Ablenkungen en masse – zusehends verlieren sich Jacob und seine Eltern aus den Augen. Mit jedem Wunsch verdunkelt sich auch das Meer, wird der Fisch dünner. Am Ende siegt – wie es für ein Märchen gehört – das Weniger-ist-mehr: "Danke" rufen Jacob und seine Eltern dem Fisch zu, besitzlos glücklich wie zu Beginn.

Berliner Morgenpost, Elena Philipp, 07.12.2014

 

Neue Musikzeitung

Beim Operntitel „Gold" denkt der Opernkenner zunächst an Julius Bittners Oper „Das höllisch Gold". Aber das Libretto von Flora Verbrugge basiert auf dem Grimmschen Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“, leicht abgewandelt und zugleich aktualisiert. Gold steht bei der Regisseurin Annechien Koerselman als „ein Plädoyer für die Kindheit“.

"Die erste Wunscherfüllung sind jedoch vertitable Schuhe für den jungen Jacob, die mit blauen und grünen LED-Leuchten flimmern. Und die Regisseurin lässt den Jungen, als alle immer größer werdenden Wunschreiche zerbrochen sind, diese Schuhe doch an den Füßen behalten. Da denkt der Opernfreund im Haus an der Richard Wagner-Straße unwillkürlich an Richard Wagners Gedicht „Die grünen Schuhe“, in dem es heißt: „Nun bin ich aller Sorgen ledig, denn nur die Schuhe waren nötig!"

www.nmz.de, Peter Pachl, 09.12.2014

 


"'Vor Presse'"

Berliner Morgenpost - "Gold" - Wenn Menschen nicht alles bekommen

"Gold" ist eine Kinderoper für nur eine Sängerin und einen Schlagzeuger und handelt von unerfüllten Wünschen. Die Holländerin Annechien Koerselmann setzt das Werk für die Tischlerei der Deutschen Oper Berlin in Szene.

"Das Märchen handelt von Gier. In dieser Welt hier, in der wir alles bekommen können, ist das ein interessantes Thema", findet die Regisseurin Annechien Koerselman. "Man muss sich doch fragen: Was ist wirklich wichtig, wie finden wir echtes Glück?" In der Kinderoper "Gold" können die Menschen nicht alles bekommen. Sie sind sehr arm, denn das Libretto von Flora Verbrugge basiert auf dem Grimm'schen Märchen "Vom Fischer und seiner Frau". Eine wesentliche Änderung hat die Holländerin in der Geschichte vorgenommen. Die Hauptperson ist der kleine Junge Jacob, der den Wünsche erfüllenden Fisch aus dem Meer zieht. Ganz bescheiden und vernünftig wünscht er sich Schuhe. Erst die Eltern zu Hause beginnen mit der großen Wunschliste. Schuhe für die ganze Familie, ein Haus, ein Palast. Mit immer neuen Ideen schicken die Eltern Jacob ans Meer. Mit jedem Wunsch wird der Fisch magerer, auch das Meer wird immer düsterer. Der Junge merkt, dass etwas nicht stimmt, aber die Eltern sind unersättlich.

Der Holländer Leonard Evers hat die Musik zu dem Stück geschrieben. Der junge Komponist ist noch nicht einmal 30 Jahre alt, hat aber schon eine lange Werkliste vorgelegt. Für die Bühne schreibt er besonders gern, und "Gold" ist bisher sein erfolgreichstes Stück. Es ist eine Koproduktion des Theaters Sonnevanck in Enschede und der Deutschen Oper Berlin. In Holland hat die Uraufführung schon vor zwei Jahren stattgefunden, am 5. Dezember ist die Berliner Premiere in der Tischlerei. Schon für Februar bereiten die Sächsischen Landesbühnen eine neue Produktion von "Gold" vor. "Der Komponist, die Librettistin und ich haben das Stück von Anfang an gemeinsam entwickelt", erklärt Regisseurin Koerselman. "Flora kam mit einem Vorschlag für eine Szene, Leonard ließ sich davon zum Komponieren anregen und sah dann zu, wie ich es auf der Bühne umsetzen wollte. So eine enge Zusammenarbeit ist wirklich ungewöhnlich." Menschen ab fünf Jahren sind eingeladen, das Musiktheaterstück zu besuchen. Es gibt nur die Sängerin Christina Sidak und einen Schlagzeuger auf der Bühne – eine aparte und seltene Kombination. Wünsche der Eltern im Koffer.

Die Regisseurin verspricht, dass es kurzweilige 40 Minuten werden. "Die Musik ist interessant und vielseitig, sie hat Jazz-Elemente, und man kann die Melodien gut nachsingen", so Annechien Koerselman. Die Sängerin singt, erzählt die Geschichte und spielt verschiedene Rollen. Wenn sie die Mütze auf dem Kopf hat, ist sie Jacob, sonst die Mutter oder der Vater. Auch der Schlagzeuger spielt mit und übernimmt wechselnde Figuren in dem Märchen. Was sich die Eltern wünschen, steckt auf der Bühne in Koffern. Immer neue Koffer mit wertvollen Dingen werden geöffnet. Wichtig ist es der Regisseurin, dass die Kinder nicht nur zusehen, sondern selbst mitmachen. Sie spielen das Meer, das immer dunkler und bedrohlicher wirkt, je öfter sich Jacob etwas wünschen muss. Vor der Aufführung üben die Kinder die Bewegungen und Geräusche des stürmischen Meeres. Insgesamt sechs Mal sind sie an der Reihe und spielen das immer heftigere Donnerwetter. Am Ende ist alles wie am Anfang, Jacob und seine Eltern erkennen, dass Liebe und Zusammenhalt in der Familie mehr zählen als das ganze Gold.

"Ich selbst bin sehr ungeduldig und versuche immer so zu inszenieren, dass ich mich nicht langweile", meint Annechien Koerselman. "Es passiert immer etwas Neues, wir setzen auf viel Energie und Bewegung. Es gibt Spaß und Spiel für die Kinder, und doch hat es einen ernsten Hintergrund und soll auch für Erwachsene interessant sein." Die holländische Regisseurin liebt Märchen, die uns etwas über das Leben erzählen, und sie inszeniert sehr gern für Kinder, die die Bühnenillusionen für wahr halten. Mit der Librettistin Flora Verbrugge arbeitet sie in Holland demnächst an dem Märchen "Das hässliche Entlein". Auch mit dem Komponisten Leonard Evers macht sie ein neues Stück.

Die einfallsreichen und klangorientierten Inszenierungen der jungen Regisseurin sind nicht nur in ihrem Heimatland gefragt. Annechien Koerselman, die regelmäßig Romane für die Bühne adaptiert, Theaterstücke schreibt und den "Junge Ohren Preis 2012" erhielt, baut sich in Berlin ein zweites Standbein auf. Ihre Inszenierung des Kinder-Musiktheaterstücks "Kannst du pfeifen, Johanna" hatte viel Erfolg an der Deutschen Oper Berlin. Schon im Juni kehrt sie nach Berlin zurück. Dann inszeniert sie für die Berliner Philharmoniker die Uraufführung von Jonathan Doves Kinderoper "Was lauert da im Labyrinth?" Premiere am 5. Dez., 16 Uhr, Tischlerei.

Martina Helmig, 26.11.2014 © Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten

 

Musik-heute.de

musik-heute

www.musik-heute.de, den 10.März 2014

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