Kritiken
Theaterkrant, Thea Derks, 17. März 2025
Vokalensemble stellt hochaktuelle Fragen zur Rechtfertigung von Gewalt
Diese Zeitsprünge sind von Regisseurin Annechien Koerselman und Komponisten Lucas Wiegerink geschickt gestaltet. Béni Csillag dirigiert auf der Black Box Bühne, schlägt einen Gong und schwingt eine knisternde Rassel herum, die Chormitglieder drehen sich wie die Zeiger einer Uhr um ihre Achse. Ein kalter grüner Lichtstrahl fällt auf SIE und ihren Zeigefinger, der über dem Zünder schwebt. Während SIE ihre blutrünstige Botschaft verkündet, schrecken die Sänger voller Angst und Schrecken zurück.
Nach ihrem Prolog […] tragen die Chormitglieder Büromöbel auf die Bühne, die später zu beeindruckenden Barrikaden umgebaut werden, Marimba inklusive.
Der Schlagzeuger Colin Crandal kann nicht genug gelobt werden. Auch wenn ihm der Chor fast die Instrumente unter dem Hintern wegzieht, verliert er nie die Nerven. Besonders wirkungsvoll ist die Passage, in der er wie ein Rattenfänger von Hameln auf seine kleine Trommel schlägt und die Sänger in einem kämpferischen Gesang anleitet.
Annechien Koerselman hält die Geschichte mit schnellen Szenenwechseln in Bewegung, wobei Chormitglieder und Dirigent unermüdlich Tische, Stühle, Lampen und Teppiche schleppen.
OFFER [Opfer] ist eine gelungene Aufführung, die die Frage aufwirft, ob Gewalt jemals gerechtfertigt sein kann. Angesichts der aktuellen Forderungen nach einer europäischen Armee ist eine Antwort auf diese Frage nicht leicht zu formulieren.
Vorpresse
Tubantia, Marco Krijnsen, 06. März 2025
Regisseurin Annechien Koerselman: „Wir nennen das große Übel den Drachen. Wer oder was der Drache ist, kann jeder nach seinen eigenen Bedürfnissen ausfüllen. Was für den einen böse ist, kann für den anderen gut sein. Und aufgrund der Polarisierung ist dieses Thema nur noch schlimmer und aktueller geworden. Die Meinungen darüber, was diese gute Welt ist, gehen heutzutage sehr weit auseinander. Dadurch kann sich jeder Besucher mit der Geschichte identifizieren.“
“SIE geht weit über den Rest hinaus. Wer konsequent sein will, sollte auch in Erwägung ziehen, zum Wohle der Allgemeinheit unschuldige Menschen zu töten. Dann könnten Menschen sterben. Das ist ihre Überzeugung“, erklärt Koerselman. „Das Interessante ist, dass dadurch Liebe fließt. Das macht es noch komplexer. Es ist schrecklich, dass Liebe nicht ausreicht, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken“.
Wir haben mit dieser Produktion vor acht Jahren begonnen und es wird eigentlich immer schlimmer. Manchmal kann man die Leute nicht mehr zur Vernunft bringen.
Ich habe schon in den Proben gemerkt, dass mich die Geschichte sehr berührt hat. Der Grund? Ich denke, es liegt an den aktuellen Ereignissen. Für ihre Ideale gehen Menschen manchmal sehr weit, die Liebe kann sie nicht davon abhalten, Familien werden dadurch auseinandergerissen. Ich finde das ganz furchtbar.
KlassiekvanNu, Thea Derks, 04. März 2025
Die Aufführung fügt sich nahtlos in unsere polarisierte Zeit ein. Komponist Lucas Wiegerink: „Die Sopranistin Fanny Alofs, die die Hauptrolle singt, hatte vor acht Jahren die Idee. Sie war sehr inspiriert von dem Buch „Die gute Terroristin“ von Doris Lessing über eine herzliche, süße Frau mit radikalen Ideen. Sophie Kassies hat ihre eigene Version erstellt, aber das Kernthema ist dasselbe geblieben.“
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Wiegerink: „Diese Gruppe gibt sich zunächst selbstsicher und versucht, sich gegenseitig und andere von ihrer Richtigkeit zu überzeugen. In harmonischen Klängen besingen sie die schöne, bessere Welt, doch langsam wird ihre Musik immer aufrührerischer und verkommt schließlich gar zur Marschmusik.“
„Ich nutze die buchstäblich explosive Natur von Instrumenten wie Tomtoms, um die radikale Seite der Geschichte hervorzuheben. Bei melodischem Schlagwerk, wie Vibraphon und Marimba, lege ich den Schwerpunkt eher auf die harmonische Seite.“

























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