Kritiken

De Volkskrant, Maartje Stokkers, 28. September 2025

Das September Me Festival hat mit der Oper über das Leben von Charlotte Salomon eine wundervolle Premiere!
Ein kluger Schachzug der Librettistin und Regisseurin Annechien Koerselman ist der Rahmen einer Familienkonstellation.
Und gerade dieses macht der Aufführung Luft. Die Musiker navigieren alle virtuos durch den schmalen Grat zwischen Lachen und Tränen.
Charlotte Salomon – Leben? oder Theater? ist sehr empfehlenswert

Volkskrant28september

Nederlands Dagblad, Margaretha Coornstra, 03. Oktober 2025

Doch in „Leben oder Theater?“ steht nicht der Nationalsozialismus im Mittelpunkt, obwohl der Akkordeonist und Sänger Wilco Oomkes eine bösartig bedrohliche Interpretation von „Der Krieg“ liefert. Im Mittelpunkt steht Charlottes problematische Familiengeschichte, oder vielmehr ihr Kampf damit.
Ihre Familiengeschichte wird durch eine Familienaufstellung rekonstruiert. Ein wunderbarer Fund, die auch dem Publikum Einblicke gewährt.
Ein faszinierendes Bühnenbild bilden die vorbeiziehenden Gouachen von Charlotte Salomon, die über die Projektionsfläche immer wieder das Bühnengeschehen veranschaulichen.
Überraschenderweise wird die Rolle der Charlotte von vier Sängerinnen aus Wishful Singing gespielt. Außerdem teilen sich ihre Charaktere manchmal in vier Teile auf: ein Sopran- und ein Alt-Duo für die unsichere 22-jährige Charlotte und ein ähnliches Duo für die reifere 25-jährige Charlotte, die ihr jüngeres Alter Ego ermutigt.
Dass sie [Annechien Koerselman] sich für ein deutsches Libretto entschied, lag nicht nur am lokalen Flair. „Die deutsche Sprache singt einfach ein bisschen besser“
Auch die motorischen Fähigkeiten der Darsteller sind anspruchsvoll. Stellen Sie sich vor, Sie streichen den Kontrabass, singen und schauspielern gleichzeitig. Oder zwei Personen nehmen synchron Anlauf und springen dann mit ausgestreckten Armen auf einen Stuhl.
Trotz des schweren Themas – Selbstmord – ist es den Theatermachern gelungen, das Singespiel unbeschwert zu halten. Das ist zum Teil der historischen Charlotte Salomon zu verdanken, die in ihren posthumen Schriften nicht vor Selbstironie und Galgenhumor zurückschreckte.
Das Ergebnis ist ein ausgewogenes, sorgfältig ausgearbeitetes Ganzes. Timing, Mimik, Diktion, kontrollierte Lautstärkeänderungen: Alles passt zusammen.

Operamagazine, Franz Straatman, 03 oktober 2025

Die Musiker spielten, sangen und spielten die männlichen Charaktere. Mit überzeugender Hingabe taten sie dies: Wilco Oomkes verkörperte die Schreckensfigur „Krieg“ mit lautem Nazigeschrei. Er repräsentiert die dunkle Seite Deutschlands ab 1933, während Charlotte sich nach Freiheit sehnt.
Eine Schlüsselrolle spielt der Bariton Florian Just. Seine Figur Amadeus Daberlohn ist Charlottes Freund Alfred Wolfsohn nachempfunden. Im Libretto erhält er mehr Gewicht und fungiert als Mentalcoach für die suchende Charlotte.
Dank der wunderbaren stimmlichen und schauspielerischen Fähigkeiten der Wishful Singing-Gruppe ist diese Produktion über das Leben und Werk von Charlotte Salomon äußerst empfehlenswert. Darüber hinaus erhält das Publikum einen wunderbaren Überblick über die farbenfrohen Fantasien der Künstlerin.

Basia Con Fuoco, Neil van der Linden, 18. Oktober 2025

Halb Tagebuch, halb Oper, Leben? oder Theater?: Ein Singespiel fordert eine musikdramatische Aufführung.

Der Gesang ist brillant, mit messerscharfen Harmonien vom Vokalquartett und dem Bariton Florian Just. Die vier Mitglieder von Wishful Singing spielen alle weiblichen Rollen, wobei der Bariton Florian Just den Gesangslehrer Amadeus Daberlohn spielt und die drei musikalisch virtuosen Instrumentalisten auch Charlottes Vater, ihren Großvater und die zunehmend sichtbaren Nazis in der Straßenszene wunderschön darstellen.

Es ist auch gut, dass Wishful Singing in dieser Produktion manchmal den Mut hat, rau zu singen.

Und Sie werden auch viel von Charlotte Salomons Werk sehen. Die vielen Familienprobleme, einschließlich der vielen Selbstmorde, werden ausführlich behandelt, spielen aber in Charlottes Werk eine herausragende Rolle, also rub it in.

De Theaterkrant, Thea Derks, 24. April 2026

Zwei Stunden lang erscheinen ihre farbenprächtigen Gouachen, reich mit Texten versehen, auf der Bühnenkulisse, oft in direktem Bezug zum Bühnengeschehen. So verdeutlicht Regisseurin und Librettistin Annechien Koerselman die untrennbare Verbindung zwischen Leben und Werk von Charlotte Salomon (1917–1943), die 1943 in Auschwitz vergast wurde.

Die vier Sängerinnen von Wishful Singing und die drei Musiker von But What About? verkörpern alle Charaktere der sich entfaltenden Geschichten. Dies ist mit einfachen Kostümen raffiniert inszeniert.

Die Rolle der Charlotte wird stets von zwei Sängerinnen interpretiert: die 22-Jährige in einem fließenden blauen Kleid, die 25-Jährige in einem blauen Kostüm. Es ist eine wunderschöne Darstellung ihres inneren Kampfes, der mitunter zu feinen, lyrischen zwei- und vierstimmigen Gesangspassagen führt.

Salomon wuchs in Berlin auf, und Weill arbeitete eng mit Bertolt Brecht zusammen. Auch Koerselman bedient sich Brechts Technik der „Verfremdung“, indem er die Figuren mitunter aus ihren Rollen heraustreten und das Geschehen als objektiver Erzähler kommentieren lässt. Eine nachvollziehbare Wahl, die stellenweise sehr wirkungsvoll ist.

Unterdessen veranschaulichen Salomons Gouachen eindringlich den Aufstieg und die Grausamkeit der Nazis. Beeindruckend ist der Moment, in dem der Akkordeonist bedrohlich vortritt und Sätze ruft wie „Drum haut noch mal beim Judenschwein die Scheiben kurz und klein.“ Denn spritzt vom Messer Judenblut, dann geht es euch nochmal so gut.' Worauf seine Mitmusiker „Aus Raus!“ brüllen. Als Paulinka erzählt, wie sie mit Charlottes Vater nach Amerika fliehen will, beim Konsul aber auf eine unnachgiebige Ablehnung stößt: „Kein Visum für Juden!“, läuft kurz ein Schauer durch den Saal.

Auch das Ende ist wunderschön. Charlotte erzählt, wie die Figuren den Krieg überlebt haben, und erinnert sich daran, wie sie selbst am 7. Oktober 1943 nach Auschwitz deportiert wurde: „Nach meiner Ankunft wurde ich sofort in die Gaskammer geschickt.“


Vorpresse

De Volkskrant, Guido van Oorschot, 25. September 2025

„Schön!“, ruft eine Stimme aus der Dunkelheit. Regisseurin Annechien Koerselman arbeitet zehn Tage vor der Premiere der neuen Oper „Charlotte Salomon – Leben? oder Theater?“ an den letzten Details. Vielleicht könnte die Sopranistin schneller fallen. Oder vielleicht könnte der Bariton verzweifelter seufzen. Am Samstag, dem 27. September, wird im Flint Theatre in Amersfoort alles zusammenkommen, gefolgt von einer ausgedehnten Tournee.
Auch Annechien Koerselman führte damals Regie. Diesmal gab sie den Anstoß vom Chorstück zur Oper. „Oper handelt schließlich von den großen dramatischen Momenten des Lebens“, sagt sie. „Hier haben wir einen. Ist es nicht unglaublich, so lange über den Tod der Mutter angelogen zu werden? Charlotte erfuhr davon kurz nach dem Selbstmordversuch ihrer Großmutter – der ihr schließlich auch gelang. Sie war so erschüttert, dass sie ihre eigene Existenz auflösen wollte.“
Die Geschichte ist gar nicht so komplex, aber sie schildert sie intuitiv und mit vielen Abschweifungen. In meiner Bühnenadaption orientiere ich sie an einer sogenannten Familienaufstellung, einer bekannten Form der Psychotherapie. Für mich ist es eine theatralische Möglichkeit, Charlottes Beziehung zu den anderen Charakteren zu ergründen.
„Er glaubte, man könne wahre Kunst nur schaffen, wenn man dem Tod ins Auge blickte. Charlotte hat diese Idee von ihm übernommen.“ Kamperman: „Aber sie verspottet ihn auch. Sie stellt ihn als Mansplainer dar, der mit Theorien jongliert.“ Koerselman: „Ob die beiden eine Affäre hatten, bleibt unklar. Charlotte war extrem schüchtern und flüchtete sich vielleicht in eine Fantasiewelt. Wolfsohn war schon lange in London, als sie einige wunderschöne erotische Szenen malte.“
Koerselman: ‘Mijn indruk is dat Charlotte haar trauma’s al schilderend heeft overwonnen. Zonder de Holocaust had ze haar leven vermoedelijk op orde gekregen. Ik denk niet dat ze haar tante, moeder en grootmoeder achterna was gegaan.’ Kamperman: ‘Zo bekeken biedt onze voorstelling hoop. Charlotte vertelt ook een verhaal over hoe je je in ruwe tijden staande houdt.’ Koerselman: ‘Doorgaan bij tegenslag. Altijd mooie dingen maken.’ Mein Eindruck ist, dass Charlotte ihre Traumata durch die Malerei verarbeitet hat. Ohne den Holocaust hätte sie ihr Leben wahrscheinlich wieder in den Griff bekommen. Ich glaube nicht, dass sie in die Fußstapfen ihrer Tante, Mutter und Großmutter getreten wäre. Kamperman: „So gesehen gibt unsere Performance Hoffnung. Charlotte erzählt auch eine Geschichte darüber, wie man in schwierigen Zeiten durchhält.“ Koerselman: „trotz Rückschlägen weitermachen. Immer wieder schöne Dinge schaffen.“

Photos Charlotte Salomon © Juri Hiensch & Nichon Glerum

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